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Katzenhöhle

 


277 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 3-89977-641-0, Gmeiner Verlag 2005

(zurzeit vergriffen)


 



Balletttänzer, Künstler, Zwillinge: Ein optimaler Nährboden für Liebe, Hass, Eifersucht - und Mord. Nach dem angeblichen Raubmord an der Balletttänzerin Mira nimmt Kommissarin Lilian Graf einen nach dem anderen aus den renommierten Londoner Künstlerkreisen um die gefeierte Primaballerina unter die Lupe. Aber auch die undurchsichtige Zwillingsschwester der Toten gerät ins Zentrum der Ermittlungen.

 


Pressestimmen:

"Nach wie vor ermittelt Lilian spannend und flüssig! Mal wieder ein Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte!!"
(toms-krimitreff.de)

"Ein wenig komisch kommt es einem beim Lesen schon vor, wenn der Tatort und das sonstige Umfeld der Protagonisten Straßen und Plätze Regensburgs und der näheren Umgebung sind. Umso genauer malt einem die Fantasie die gelesenen Bilder in den Kopf, lässt man sich auf Hildegunde Artmeiers spannend erzählten und psychologisch fein gewobenen Fall von Kommissarin Lilian Graf ein."
(Logo)

"Die Regensburger Autorin hat sich inzwischen einen festen Platz in der deutschen Krimi-Szene erobert ... Mord in Künstlerkreisen - das mag ein bisschen klischeehaft anmuten. Aber Hildegunde Artmeier ... schafft es, sich vor vordergründiger Trivialität zu hüten. Es geht ihr ... nicht darum, möglichst effektvoll für Spannung zu sorgen. Ihre große Stärke ist es, Atmosphäre zu schaffen und mit viel psychologischem Gespür "ganz normale Menschen" glaubwürdig zu zeichnen. Katzenhöhle ist für Krimi-Freunde ein genussreiches Lesevergnügen."
(Mittelbayerische Zeitung)


Lesermeinungen:

"Der dritte Fall für Kommissarin Lilian Graf aus Regensburg - und auch dieser ist gut gelungen! Guter Spannungsaufbau, viel Lokalkolorit sowie sehr gut gezeichnete Protagonisten - was will man mehr? Mehr davon!"
Reinhard Busse aus Gleichen-Reinhausen, amazon-Top-50-Rezensent

"Sie gleichen sich oft wie ein Ei dem anderen - Zwillinge. Doch fühlen und denken sie auch gleich? Und welchen Einfluss haben Eltern, sei es bewusst oder unbewusst, auf deren Entwicklung? Hildegunde Artmeier geht in "Katzenhöhle' diesen Fragen nach, mit viel Gespür für menschliche Schwächen und Eigenheiten. Für mich das gelungenste Buch ihrer Lilian-Graf- Reihe, weil sie es hier gekonnt versteht, eine spannende Krimihandlung mit dem Nachzeichnen von Abhängigkeiten und emotionalen Verstickungen zu verbinden bis hin zum überraschenden Ende. Für Regensburger wegen des hier verströmten Lokalkolorits ein Muss, für alle anderen absolut empfehlenswert!"
Rezensentin aus Regensburg

"Ich muss gestehen, dass ich mit einigem Vorbehalt alle drei Bücher auf einmal gekauft habe. Eigentlich wollte ich bloß wissen, wie es ist, ein Buch zu lesen, welches in meiner Heimatstadt spielt. Mein Glück war, dass ich alle drei zugleich kaufte, so konnte ich sofort mit dem nächsten Buch beginnen ... Ich war angenehm überrascht und freue mich schon auf den nächsten Band. Ich hoffe, (die Autorin) bleibt bei ihrem erfrischenden Stil ..."
Helga Wolf aus Regensburg

"Sehr zu empfehlen, nicht nur für Regensburger! Hildegunde Artmeier hat eine Art, ihre Geschichten zu erzählen, die sich wohltuend abhebt von den Aufgeregtheiten anderer Autoren und Autorinnen. Ihre Geschichten sind aufgrund der Psychologie spannend, nicht, weil ständig herumgeballert und -gerast wird. Ihre Personen sind so lebensecht, als würde man sie persönlich kennen. Man leidet mit ihnen, mit den Opfern, aber auch mit den Tätern und natürlich mit der geplagten Ermittlerin, Kriminaloberkommissarin Lilian Graf. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band!"
Rezensent/in aus Zusmarshausen

"Ich finde Katzenhöhle wieder extrem gelungen und konnte, wie bei den beiden anderen Bänden, nicht aufhören zu lesen. Was mir an Katzenhöhle besonders gefällt, ist die psychologische Raffinesse, die mich total gefesselt hat. Wieder fühlte ich mich mittendrin in der Geschichte ... Ich gratuliere (der Autorin) zu diesem spannenden Buch."
Martina Zierer aus Regensburg


Leseprobe:

Lilian erwischte den letzten freien Parkplatz vor dem Hotel. An der Rezeption fragte sie nach Cedric Ormond. Die Empfangsdame schickte sie ins Restaurant Brandner. Der Weg dorthin erinnerte Lilian an einen Gang unter Deck auf einem Luxusschiff: Holzböden, Bullaugen in den Türen, stilvolle Einfachheit.
Im Frühstückssaal waren sämtliche Lampen an, und auf jedem Tisch brannten eine oder zwei Kerzen, doch sie erzeugten nur eine diffuse Helligkeit. Auch die fast bis zur Decke reichenden Fenster und die um ein Eck angeordnete Glasfront schafften es nicht, mehr als nur spärliches Tageslicht von draußen hereinzulassen. Wieder lastete ein undurchdringlicher Hochnebel auf der Stadt. Feuchtigkeit und Trübheit krochen durch Wände und Gemüter. Lilian hasste dieses Wetter. Ihre Füße fühlten sich noch kälter an als sonst, ihre Stimmung war gedrückt, seit fast vier Wochen hatte sie keine Sonne mehr gesehen. Wenn es nicht nieselte, war es neblig. Und wenn kein Nebel herrschte, gab es Schneeregen. Alles grau, schmutzig weiß, ungesund fahl. Lilian sehnte sich nach sattem Grün, knalligem Rot und lautem Gelb. Wie lange sollte das noch so weitergehen? Auch die Erinnerung an die Obduktion von heute Morgen und die Aussicht auf die vielen fremden, freudestrahlenden Gesichter am Abend verhalfen ihr zu keiner besseren Laune.
Nur der weißhaarige Mann fernab von den übrigen Hotelgästen tat das. Völlig vertieft in eine Zeitung saß er an seinem Tisch, die Beine bequem übereinander geschlagen. Eine Lesebrille verlieh ihm eine noch intellektuellere Note, als Lilian es vom Vorabend in Erinnerung behalten hatte. Cognacbrauner Cordanzug, ein locker geschlungenes Baumwolltuch mit Lilienmuster über einem grobgestricktem Pullover, ein Glas Sherry in der Hand als Digestif nach dem Frühstück. Fast hätte Lilian erwartet, einen großen Jagdhund an seine Füße gekuschelt zu sehen und ein wärmendes Feuer in einem imaginären Kamin knistern zu hören. So stellte sie sich einen angelsächsischen Grafen vor, der auf seinem Landsitz in den heimatlichen Hochlanden ein beschauliches Leben führte. Klischee über Klischee. Gut, dass sie nur einen schottischen Ballettintendanten auf der Regensburger Insel vor sich hatte.
"Guten Morgen, Herr Ormond."
Er sah auf und erkannte Lilian sofort. Getreu der Vorstellung in Lilians Kopf stand er auf, bot ihr einen Stuhl an, bestellte für sie ein Glas Sherry - nicht einmal das übliche "Danke, ich bin im Dienst" kam ihr über die Lippen, denn wer würde ernsthaft eine solche Einladung ausschlagen? - und musterte sie dann prüfend, aber nicht ohne Wohlwollen.
"In der Zeitung steht nichts über Miras Tod."
"Die Staatsanwaltschaft hat sich die Presseauskunft vorbehalten. Bei einem so medienwirksamen Todesfall ist das normal."
"Verstehe. Hab ja selbst oft genug mit diesen Pressefuzzis zu tun."
Lilian wunderte sich über seine Wortwahl. Zum einen war das kein Ausdruck, der jedem Ausländer bekannt sein dürfte, auch wenn er so gut Deutsch sprach wie Cedric Ormond. Zum anderen hätte Lilian eine feinere Ausdrucksweise erwartet. Oder redete man in schottischen Adelskreisen so?
"Heute Nachmittag ist eine Pressekonferenz angesetzt", sagte sie unverbindlich.
Der Sherry kam. Prompter Service. Beeindruckt nippte Lilian von der schimmernden Flüssigkeit, die den sanften Kerzenschein reflektierte. Auf einmal wurde ihr warm, das erste Mal seit vier Wochen. Kein Wunder, Sherry auf nüchternen Magen hatte sie noch nie vertragen.
"Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen."
Er hob die dunklen Augenbrauen. "Wofür?"
Sie trank noch einen Schluck. So würde es leichter gehen, denn sie hasste Entschuldigungen. "Dafür, dass ich Ihnen diesen grässlichen Anblick gestern Abend nicht erspart habe."
Ein Lächeln. Es war traurig und amüsiert zugleich. Noch etwas anderes schwang mit, aber was bloß? "Dafür brauchen Sie sich nicht zu entschuldigen, im Gegenteil. Sie haben mir sehr geholfen."
"Wie soll ich das verstehen?"
Die Lichter fingen an, sich vor Lilians Augen zu drehen. Warum nur hatte sie den Sherry nicht abgelehnt? Andrerseits ergab das ein schönes Muster, wie sich die flackernden Kerzen in den Fensterscheiben spiegelten, wie sie sich drehten und drehten und drehten ...
"Wenn Sie Mira gekannt hätten, wüssten Sie, wovon ich rede. Eine solche Frau stirbt nicht einfach so. Vielleicht stürzt die Mailänder Scala ein, wenn sie auf der Bühne steht. Oder die Concorde fällt bei ihrem letzten Flug in den Atlantik, wenn sie mit an Bord ist. Aber eine Frau wie Mira wird doch nicht von einem Einbrecher erschlagen, der die Skulpturen ihrer Schwester rauben will - nur weil sie zufällig an deren Stelle auf dem Sofa sitzt!"
Ein raues, fast wütendes Schnauben. "Wenn ich Miras Leiche nicht gesehen hätte, hätte ich niemals geglaubt, dass sie tot ist." Das seltsame Lächeln erschien wieder. "Dann wüsste ich immer noch nicht, dass ich endlich frei bin."